(ZP) Engel im Bremer Stadtbild

Engel am Duensing des Rolands
Engel am Duensing des Rolands

Engel haben zur Weihnachtszeit – auch im liberal-säkularen Bremen – Hochkonjunktur. Aber auch das ganze Jahr über kann man sie im Bremer Stadtbild kaum übersehen. Und zwar findet man sie nicht nur in Kirchen, sondern als musizierende Engel am Brautportal des Doms, unterhalb zweier Fenster am Neuen Rathaus, am Eingang wie am Treppengiebel der Glocke, wie unterhalb eines Fensters am Neuen Rathaus. Am Alten Rathaus umstehen Cherubim auf Rädern den Thron Gottes in Bremen, den die Fassade nach dem Entwurf des calvinistischen Theologen Christoph Pezelius darstellt. Und Roland überrascht mit einem Laute-spielenden Engel an seinem Gürtel.

Gleich mehrere Engelköpfe zieren die durch und durch merkantile Stadtwaage. Sie signalisierten den Bremern, dass Korruption nicht zu den Praktiken beim Wiegen gehöre. Und an der Ratsapotheke macht der Erzengel Raphael klar, dass man hier an dem mitwirkt, was der Name des Erzengels verspricht: „Gott heilt“.
Zwei Engel schmücken das alte Portal des „Akzisehauses“, Klartext: des alten Finanzamts. Sie begrüßen trompetend vermutlich abgabenfreudige Hanseaten. Die Spolienengel über dem Portal des Deutschen Industrieclubs Bremen zieren ein barockes Memento mori. Es erinnert an leeren Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit, Prahlerei, Misserfolg oder Vergeblichkeit, alles Eigenschaften, mit denen sich auch Bremer Kaufleute herumzuschlagen hatten oder noch haben.
Der nationalsozialistische „Lichtbringer“ über dem Eingang zur Böttcherstraße wurde als Erzengel Michael unter die Bremer Engelfiguren einsortiert.
Der Spuckstein in Domnähe weist auf Gesche Gottfried hin, die in 14 Jahren 15 Verwandte und Freunde mit Arsen und „Mäusebutter“ ins Jenseits beförderte. Interessanterweise hatte man sie zuvor in der Stadt ob ihrer wohltätigen Zuwendung zu den Armen und ihres rührenden Kümmerns um die dahinsiechenden Verwandten und Freunde „große Dulderin“ bzw. „Engel von Bremen“ genannt. Die Köpfung des „Todesengels“ am 21 April 1831 auf dem Domshof, war das Ereignis in Bremen, das sich viele Hanseaten nicht entgehen ließen.

Den „wildeste“ unter den 26 Engeln findet man hoch über den Schaufenstern des Hauses Nr. 164 am Wall. Es ist quasi ein „Achtundsechziger Engel“, im Pop-Art-Look mit Helm, langen Beinen, verführerischem Busen und ausladenden Flügeln. Über ihn gab es damals zwar Gemecker, aber er blieb, ohne Büstenhalter, den man ihm zwischenzeitlich verpasst hatte.
Kein Gemecker gab es über den recht weiblich aussehenden Engel an der Bremer Bank, denn der war gar kein Engel. Er entpuppte sich als eine Genie. Die kannten die Alten Römer schon.

Natürlich wurden die silberner Anhänger „Bremer Engel“ und die „Bremer Suppenengel“ nicht übersehen.
 


Dozent:      Wilhelm Tacke

Termin:     Montag,     10.02.2025

Zeit:           10:00 (s.t.) bis 11:30 Uhr

Entgelt:         20,- Euro

Veranstaltungsart: hybrid, in Präsenz (Akademie, Raum B 0770) oder wahlweise Online-Teilnahme

Hinweis:   Teilnehmerbegrenzung: 40 Personen in Präsenz

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